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Station 01 · Woher das Modell kommt/Phase 2

Was „Open Source“ bei Modellen wirklich heißt

Ein Modell zum Herunterladen ist noch lange nicht frei verwendbar. Der Unterschied steht in einer Datei neben den Gewichten — und nicht in der Pressemitteilung.

„Open Source“ ist bei Sprachmodellen der am häufigsten falsch benutzte Begriff der Branche. Bei Software heißt er: Der Quelltext liegt offen, jeder darf ihn lesen, ändern und weitergeben. Bei Modellen ist der Quelltext nicht das Interessante — die Gewichte sind es, und die sind keine Quelle, sondern ein Ergebnis.

Drei Schichten, eine LizenzOffen ist fast immer nur die erste Schicht
WAS „OPEN SOURCE“ BEI MODELLEN WIRKLICH HEISSTDie Gewichtedie Datei mit den Zahlenmeist offenDer Trainingscodewie sie entstanden sindselten offenDie Trainingsdatenworaus sie entstanden sindfast nie offenOffene Gewichte ≠ Open Source.Ein Modell zum Herunterladen ist noch lange nicht frei verwendbar. Entscheidend ist die Lizenz —und die steht in einer Datei neben den Gewichten, nicht in der Pressemitteilung.Echte freie LizenzApache 2.0, MITGewerblich nutzbar, keine Nutzerobergrenze, keine Namenspflicht.Gemeinschaftslizenzz. B. Llama-Community-LizenzEigene Bedingungen: Nutzerobergrenze, Namensnennung, Nutzungsverbote.Nutzungsbedingungenz. B. Gemma Terms of UseKein Lizenzvertrag im üblichen Sinn — der Anbieter darf Regeln nachschieben.Vor dem Herunterladen lesen:Darf ich es gewerblich nutzen · Ab wie vielen Nutzern nicht mehr ·Muss ich den Namen nennen · Was ist ausdrücklich verboten · Was passiert, wenn der Anbieter die Bedingungen ändert

Die drei Lizenzarten, die Ihnen begegnen

ArtWas sie bedeutetWorauf Sie achten
Echte freie Lizenz
Apache 2.0, MIT
Gewerbliche Nutzung erlaubt, keine Obergrenze, keine Sonderbedingungen.Nichts — das ist der klare Fall. Prüfen Sie nur, dass die Lizenz für die Gewichte gilt und nicht nur für den Beispielcode.
Gemeinschaftslizenz
z. B. Llama Community License
Eigene Bedingungen des Herausgebers. Häufig: Nutzerobergrenze, Namensnennungspflicht, Liste verbotener Verwendungen.Die Obergrenze (oft an monatlich aktiven Nutzern) und die Nennungspflicht in der Oberfläche. Beides fällt erst auf, wenn es zu spät ist.
Nutzungsbedingungen
z. B. Gemma Terms of Use
Kein Lizenzvertrag im üblichen Sinn, sondern Bedingungen, die der Anbieter fortschreiben kann.Ob eine Änderung der Bedingungen für bereits heruntergeladene Fassungen gilt. Und ob Sie das Modell weitergeben dürfen.
Der Begriff, der wirklich passt, heißt „offene Gewichte“ (open weights). Er sagt genau das, was der Fall ist: Sie bekommen die Datei. Was Sie damit dürfen, steht woanders.

Warum das in diesem Kurs steht und nicht nur im Lizenzrecht

Weil die KI-Verordnung für Modelle unter einer freien und quelloffenen Lizenz Erleichterungen vorsieht — und weil diese Erleichterung genau dann nicht greift, wenn die Lizenz keine echte freie Lizenz ist. Wer sich darauf beruft, sollte die Lizenzdatei gelesen haben und nicht die Überschrift.

Und die Erleichterung greift ohnehin nicht für Sie. Sie betrifft die Pflichten des Modell-Anbieters. Sobald Sie das Modell in Ihre Anwendung einbauen und diese anderen bereitstellen, sind Sie für Ihre Funktion Anbieter — unabhängig davon, unter welcher Lizenz das Modell darin steht. Station 07 zeigt, was daraus folgt.
Auf Stufe 3 (Experte) steht hier zusätzlich: wie man die Lizenzfrage für ein konkretes Modell in zehn Minuten beantwortet — und welche vier Sätze in die Akte gehören
TiefeDie Lizenzfrage für ein konkretes Modell in zehn Minuten

Vier Handgriffe, in dieser Reihenfolge:

1 · Die Lizenzdatei suchen, nicht die Modellseite lesen. Bei den üblichen Plattformen liegt sie im Dateiverzeichnis des Modells (LICENSE, LICENSE.txt, *_LICENSE) oder ist als Bedingung vor dem Herunterladen zu bestätigen. Die Überschrift der Modellseite ist Werbung, die Datei ist der Vertrag.

2 · Nach vier Wörtern suchen: commercial (darf ich gewerblich?), monthly active (gibt es eine Nutzerobergrenze?), attribution oder display (muss ich den Namen nennen, und wo?), acceptable use (welche Verwendungen sind ausgeschlossen?). Diese vier decken über neunzig Prozent der Fälle ab.

3 · Prüfen, ob die Lizenz auch die abgeleiteten Fassungen erfasst. Wenn Sie das Modell nachtrainieren oder verkleinern, entsteht ein neues Artefakt — manche Lizenzen erstrecken sich darauf einschließlich der Namenspflicht.

4 · Vier Sätze in die Akte (Station 08, Blatt 3): Modellname mit Fassung · Lizenzname mit Fundstelle · die Antwort auf die vier Wörter · das Datum. Das ist die ganze Arbeit, und sie ist beim nächsten Modellwechsel in fünf Minuten wiederholt.

Der Fallstrick zum Schluss: Nicht die Gewichte, sondern die Beispielprogramme tragen häufig eine andere, freiere Lizenz. Wer die Lizenz des Beispielcodes liest und meint, die Gewichte gemeint zu haben, hat die falsche Datei gelesen.

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