Station 04/Was entfällt — und was auf keiner Stufe entfällt·Vorschau
Station 04 · Wie viel Schutz braucht diese Anwendung?/Phase 3

Was entfällt — und was auf keiner Stufe entfällt

Zwei Listen. Die linke ist die Entlastung, die rechte ist der Grund, warum es diesen Kurs gibt.

Was mit der Aufstellung tatsächlich entfällt

MaßnahmeA/B im HausC mit RiegelD öffentlich
Schutz gegen Massenscans und Bot-AnmeldeversucheentfälltentfälltPflicht
Sperre nach zu vielen Fehlversuchen, CAPTCHAentfällt meistselten nötigPflicht
Öffentliches Zertifikat, HSTS, Überlastschutzentfällt — eigene CA reichtreduziertPflicht
Härtung der Kopfzeilen, CSP, strikte HerkunftsprüfungreduziertreduziertPflicht
Anmeldung mit zweitem Faktornur für VerwaltungempfohlenPflicht bei Personendaten
Trennung von Test und BetriebempfohlenPflichtPflicht
Das ist ein echter, großer Gewinn. Die Aufstellung im Haus senkt das Risiko automatisierter Angriffe fast auf null — und automatisierte Angriffe sind der weit überwiegende Teil dessen, was auf eine öffentliche Anwendung einprasselt.

Was auf keiner Stufe entfällt

Bleibt immerWarum es intern sogar wichtiger ist
Rechteprüfung serverseitigDer wahrscheinlichste unbefugte Zugriff im Haus ist ein angemeldeter Kollege, der eine Nummer in der Adresszeile hochzählt — versehentlich oder aus Neugier. Davon gibt es im Firmennetz mehr, nicht weniger
Mandanten- und BereichstrennungDie Personalliste, die für alle sichtbar ist, ist der häufigste interne Vorfall überhaupt
Passwörter gehasht, nicht verschlüsseltMenschen benutzen dasselbe Passwort auch woanders
Sicherung mit geprobtem RückwegHat mit Angriffen nichts zu tun — Festplatten und Fehlbedienungen kennen kein Firmennetz
Geheimnisse nicht im Repository, nicht im AbbildEin Repository wandert; ein Abbild wird weitergegeben
Nachvollziehbare MigrationenEin zerstörter Bestand ist intern genauso zerstört
DSGVO-Pflichten bei PersonendatenSie gelten unverändert. Ein Beschäftigtendatenleck im Intranet ist rechtlich derselbe Vorgang wie eines im Internet
„Das Firmennetz ist sicher" ist keine Aussage über Sicherheit, sondern über Erreichbarkeit. Das Firmennetz ist der Ort mit den meisten Geräten, den meisten Menschen und den meisten Altlasten: das Notebook eines Gastes im WLAN, der Drucker mit eigener Firmware, das Kassensystem, der Laptop mit dem geöffneten Anhang. In einem flachen Netz erreicht alles davon Ihre Anwendung.
Auf Stufe 2 (Fortgeschritten) steht hier zusätzlich: warum die Aufstellung im Haus das Risiko durch Menschen mit Zugang nicht senkt, sondern erhöht
WarumWarum die Aufstellung im Haus das Risiko durch Menschen erhöht

Der Satz klingt zunächst falsch: Wie soll ein geschlossenes Netz gefährlicher sein als ein offenes? Er ist es auch nicht — die Gesamtgefahr sinkt deutlich. Was steigt, ist der Anteil einer bestimmten Sorte, und mit ihm die Wahrscheinlichkeit, dass genau sie eintritt.

Der Grund ist die Zusammensetzung der Zugangsberechtigten. Bei einer öffentlichen Anwendung sind die meisten, die anklopfen, automatisierte Suchläufe ohne Konto. Bei einer internen Anwendung hat praktisch jeder, der sie erreicht, ein gültiges Konto — und ein Interesse an dem, was drinsteht. Die Personalliste ist für einen Suchlauf aus dem Netz eine Datei; für die Kollegin aus der Nachbarabteilung ist sie eine Antwort auf eine Frage, die sie sich schon länger stellt.

Dazu kommt die Hemmschwelle. Eine Nummer in der Adresszeile hochzuzählen fühlt sich nicht wie ein Einbruch an. Es ist ein Klick, die Anwendung antwortet freundlich, und niemand hat etwas umgangen. Genau diese Harmlosigkeit ist der Grund, warum es passiert — und warum es keine Spur hinterlässt, wenn nichts protokolliert wird.

Und die Folgen sind intern oft schwerer. Ein Datensatz, der nach außen abfließt, ist ein Vorfall mit Meldepflicht und Aufräumarbeit. Ein Datensatz, den ein Kollege gesehen hat, ist ein Vertrauensschaden im Haus — die Gehaltsliste, die Krankmeldung, der Vermerk in der Personalakte. Solche Fälle werden selten gemeldet und nie vergessen.

Daraus folgt die Aufteilung dieser Station: Was gegen automatisierte Angriffe schützt, darf intern entfallen — davon gibt es dort fast keine. Was gegen Menschen mit gültigem Zugang schützt, darf nirgends entfallen — davon gibt es intern mehr. Das ist kein Kompromiss zwischen beiden Listen, sondern ihre Begründung.

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