Die vier Gründe
Es gibt genau vier Gründe, die für eine native App sprechen. Mindestens einer muss vorliegen. Liegt keiner vor, kostet die App zwei Plattformen für ein Ergebnis, das eine Web-Anwendung auch geliefert hätte.
Diese Liste ist kurz, und das ist Absicht. Sie ist die Prüfung, an der ein Vorhaben scheitern darf — und in drei von vier Fällen scheitern sollte.
Was kein Grund ist
| Wird oft gesagt | Was wirklich dahintersteckt | Was stattdessen hilft |
|---|---|---|
| „Wir wollen im App Store sichtbar sein.“ | Der Wunsch nach Seriosität. Gefunden wird dort ohne Werbebudget praktisch niemand. | Eine Adresse, die man nennen kann, und eine Seite, die auf dem Telefon funktioniert. |
| „Eine App wirkt professioneller.“ | Ein Gestaltungsproblem, kein Technikproblem. | Die Web-Anwendung so bauen, dass sie auf dem Telefon nicht wie eine geschrumpfte Bürosoftware aussieht. |
| „Der Wettbewerb hat auch eine.“ | Meist hat er sie und pflegt sie nicht. Prüfen Sie das Datum der letzten Aktualisierung. | Denselben Blick auf das eigene Vorhaben: Wer pflegt das in drei Jahren? |
| „Unsere Mitarbeiter sollen sie auf dem Telefon haben.“ | Sie können sie auf den Startbildschirm legen. Dafür braucht es keinen Store. | Die installierbare Web-App aus Station 01. |
| „Wir brauchen Push-Nachrichten.“ | Häufig genügt eine Mail oder eine Nachricht im vorhandenen Kanal. | Erst prüfen, ob der Empfänger die Nachricht wirklich sofort braucht. |
WarumWarum es ausgerechnet diese vier sind
Alle vier haben dasselbe Merkmal: Sie beschreiben etwas, das ein Browser nicht darf, nicht etwas, das er nicht könnte. Die Beschränkungen sind Sicherheitsentscheidungen der Gerätehersteller, keine technischen Lücken.
Daraus folgt, was man von der Zukunft erwarten darf: Die Grenze wandert, aber langsam, und iOS geht sie langsamer als Android. Ein Vorhaben, das heute knapp an der Grenze liegt, wird in zwei Jahren vermutlich ohne App auskommen — eines, das drei der vier Gründe erfüllt, nie.
TiefeWo die vier Grenzen technisch verlaufen
Gerätetechnik. Der Browser darf einzelne Aufnahmen anfordern, aber keinen dauerhaften Zugriff halten. Bluetooth und NFC hat Chrome, Safari nicht. Der Grund ist kein technischer: Eine Webseite wird in Millisekunden aufgerufen, ohne dass jemand ihr vertraut hätte — ein dauerhafter Sensorzugriff wäre dort eine andere Zusage als bei einer App, die jemand bewusst installiert hat.
Offline. Der Browser hat Speicher, aber er gehört ihm nicht: Er darf ihn räumen, wenn Platz gebraucht wird. Eine App bekommt ein eigenes Verzeichnis, das nur das System löscht — und das nur, wenn die App entfernt wird.
Hintergrund. Hier ist die Grenze am härtesten und wird es bleiben. Eine Webseite, die im Hintergrund weiterläuft, wäre auf einem Telefon ein Akkuproblem und ein Datenschutzproblem zugleich. Native Apps dürfen es nur in engen, vom System zugeteilten Fenstern.
Store. Das ist gar keine technische Grenze, sondern eine Vertriebsentscheidung. Sie ist deshalb der einzige der vier Gründe, den man durch Marketing ersetzen kann — und der einzige, der allein selten trägt.